Clubhouse: One Hit Wonder
oder Evergreen?

Von Hypes und Hürden

Zur rechten Zeit am rechten Ort – Nach einigen Anlaufschwierigkeiten hat sich Clubhouse auch in Europa so schnell herumgesprochen wie das Bernie Sanders-Meme. Anders als in den USA brauchte es dafür nicht einige Monate, sondern einfach ein kleines Shoutout von OMR-Podcastern Philipp Gloeckler und Philipp Klöckner – und zack, wollen alle dabei sein. Doch dann ganz plötzlich nicht mehr. Was ist denn da passiert?
 
Dabei war der große Hype nachvollziehbar, kombiniert Clubhouse doch zwei grundlegende Entwicklungen von 2020: den anhaltenden Podcast-Aufschwung mit dem akuten Mangel an Veranstaltungen jeder Art. Anders als beim gängigen Podcast dürfen hier nämlich alle mitmachen. Nunja, theoretisch zumindest. Denn während Clubhouse in der Medien- und Werbebranche bereits recht weit verbreitet ist, bleiben ganze Massen außen vor – nämlich all jene, die entweder über keine Einladung und/oder kein Apple-Endgerät verfügen. Die anderen Glückspilze dürfen sich nun aber in Rooms breit machen und verschiedene Rollen einnehmen: Entweder sie moderieren diese selbst und entscheiden, wer sonst noch zu Wort kommen darf, sie sind passive Zuhörer:innen – oder heben die virtuelle Hand, wenn sie einen eigenen Wortbeitrag beisteuern wollen.

Fear of Missing Out

Die Angst, etwas zu verpassen, kennen viele wahrscheinlich vor allem aus der Zeit vor Corona, also als es noch etwas zu verpassen gab. Konnte man mal bei dieser Messe oder jener Veranstaltung nicht dabei sein, geisterten im Kopf gleich die großen Fragen: „Was habe ich da jetzt verpasst? Womöglich den Deal oder Spaß meines Lebens? Alle sind da, nur ich nicht!“ Nun, nach Monaten der nicht vorhandenen FOMO gab es diese bei Clubhouse nun geballt. Rund um die Uhr fanden interessante Talks statt, lud die selbsternannte Creme de la Creme in ihren Exklusivzirkel ein. Und in einer solchen gefühlten Intimität konnte man bisher wohl tatsächlich noch nicht mit Joko Winterscheidt, André Schürrle oder Christian Lindner plaudern. Ob man das denn überhaupt will, steht auf einem anderen Blatt. Aber: Netzwerken fühlte sich plötzlich wieder nach einem Event an, jede Minute, in der man das Handy aus der Hand legt, nach einer vertanen Chance.

Doch dann kommt alles anders: Nach dem Hoch vom 17.-23. Januar sinken die Google-Nachfragen wieder gen 0, auf anderen Social Media-Netzwerken spricht niemand mehr vom großen C. Das hängt nicht unwesentlich mit den problematischen Faktoren des Netzwerks zusammen.

Startschwierigkeiten oder vorprogrammiertes Ende?

Denn Clubhouse muss sich gleich etliche Anklagen anhören: Zum einen sei die App bislang exkludierend für Menschen mit Hörbehinderung, denen der Zugang komplett abgesprochen wird. Zum anderen steht vor allem der mangelhafte Datenschutz in der Kritik. Denn nicht nur dass das gesamte Telefonbuch auf den Server der App geladen werden muss, wodurch sich die Macher in einer rechtlichen Grauzone aufhalten. Auch intern kommt es wiederholt zu Problemen, denn durch eine fehlende oder zumindest mangelhafte Moderation haben sich Fake-News, rassistische, sexistische oder diskriminierende Inhalte unkontrolliert ausbreiten können. Immerhin: Diesem Problem stellen sich neue Community-Guidelines, die eine Meldefunktion einführen. Für diese werden jedoch einige Audiospuren vorübergehend gespeichert, woraufhin man erneut beim Problemfall Datenschutz angelangt.

Clubhouse und die Zukunft

Aber bleiben wir mal auf dem Teppich: Gerade steckt Clubhouse zumindest in Europa noch nicht mal in Kinderschuhen und kann somit noch einiges aufholen. Dafür soll die Beta-Phase schließlich auch genutzt werden. Inwiefern sich die App dann jedoch ändert, sollte einmal die Phase der künstlichen Verknappung übersprungen werden, steht in den Sternen. Denn sobald das aktuelle Zeitalter des „Sehnsuchtsorts der Eliten“ wie der Spiegel es so treffend getauft hat, überwunden sein, wird das aktuelle inhaltliche Niveau nur schwer kontrollierbar sein.

Ob Clubhouse am Ende als Audio-Version von LinkedIn etabliert sein wird oder auch in der breiten Masse Anklang findet? Über diese Zukunft redeten auch OMR-Chef Philipp Westermeyer, Netz-Vordenker Sascha Lobo und Tech-Investor Frank Thelen auf Clubhouse unter dem Titel „Wieso Clubhouse sich nicht durchsetzen wird“. Am Ende wollten über 5.000 Teilnehmer:innen zuhören. Vielleicht kommen diese Zahlen ja eines Tages zurück? Es bleibt spannend.